ALBA Berlin startet am Freitag ins Finale der BBL-Playoffs. Nach dem Kraftakt gegen Bamberg wartet der FC Bayern. Die Best-of-Five-Serie beginnt mit zwei Auswärtsspielen in München. Spiel drei in Berlin steigt am 17. Juni. Es war eine Demontage, die nachwirkte. Der unmittelbarste Nachhall von Alba Berlins drastischer Dominanz im fünften Halbfinale gegen Bamberg war vielstimmiger Gesang. Ihre fränkischen Gäste waren längst gen Kabine und Sommerpause getrottet – schweißnasse Trikots auf hängenden Schultern, glasige Blicke aus leeren Gesichtern. Albas Basketballer hingegen feierten auf dem Parkett. Kapitän Jonas Mattisseck stimmte die Humba an, Albas Anhang antwortete adrenalingeladen. ALBA hat sein Saisonsziel erreicht. Am Mittwochmorgen – eine Nacht später und mit einem regulierten Hormonhaushalt – hat sich der Nachklang von Albas Sieg im entscheidenden Halbfinale verändert: Aus der Euphorie des Moments wurde die Einordnung des Erreichten. ALBA Berlin hat mit dem Einzug ins Finale der Basketball-Bundesliga sein wichtigstes Saisonziel erreicht. Dass dort nun der scheinbar übermächtige FC Bayern wartet, lässt alles, was jetzt noch kommt, zur Zugabe werden. Ein bajuwarischer Etat von knapp 50 Millionen Euro und ein dementsprechend hochkarätig bestückter Kader würden jeden Berliner Sieg in der Best-of-Five-Serie zu einem Erfolg machen. Die Vorstellung, dass ALBA die Serie und damit den Titel gewinnt? Sie ist ähnlich abwegig, wie ein Sieg mit 31 Punkten Vorsprung in einem Do-or-Die-Spiel gegen Bamberg. Schließlich hätten selbst die treuesten ALBA-Fans in ihrem bedingungslosen Optimismus kein solches Spiel vorhergesagt, wie das am Dienstagabend. Von einem souveränen Bamberger Sieg bis hin zu einem hart erkämpften ALBA-Erfolg schien alles denkbar. Dass ALBA aber Bamberg mit dem Rücken zur Wand von Minute eins an dominiert und auf seinem nie gefährdeten Siegeszug zwischendurch mit 39 Punkten führt? Es war ein Szenario, das eigentlich keines war. ALBA ist krisenerprobt, Bayern noch nicht. Aber ALBA-Basketballer machten aus dem Unvorstellbaren Realität. Sie sorgten so dafür, dass ihr zuvor drohender und fast vollständiger Kollaps im Hintergrund des spektakulären fünften Spiels verblasste. Dass ALBA nach einer 2:0-Führung überhaupt in dieses musste, gerät bei vielen in Vergessenheit, weil die Berliner unter größtem Druck erneut Nervenstärke bewiesen und ihre Resilienz manifestierten. Im Endspiel gegen den großen Rivalen aus dem Süden hat ALBA nun kaum noch Druck. Nahezu niemand erwartet, dass die Berliner mit ihrem, von Sparmaßnahmen gezeichneten, knapp sieben Millionen Euro teuren Kader eine echte Chance haben. Schließlich haben sich Bayern rund um Edelwerfer Andi Obst für rund 18 Millionen Euro einen Kader zusammengestellt, der allein sechs amtierende Welt- oder Europameister in seinen Reihen hat. Dementsprechend rauschten die Münchener bislang – ungefährdet und ungeschlagen – durch ihre Playoff-Serien gegen Trier und Bonn. Ganz nebenbei erspielten sie sich so auch eine ganze spielfreie Woche vor dem ersten Finalspiel am Freitagabend (20:30 Uhr). Die einzige Frage, die Bayerns Mannschaft offenließ, ist, wie es in engen oder gar entscheidenden Playoff-Spielen um ihre Nerven steht. Zahlreiche Niederlagen in knappen Euroleague-Spielen sorgen diesbezüglich für eine gewisse bayrische Unberechenbarkeit. Sie wird ALBA Hoffnung spenden. Gleiches gilt auch für die Tatsache, dass die Berliner zwar mit müden Augen, aber mit einem unerschütterlichen Willen in die Serie gehen werden.
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ALBA Berlin schreibt Geschichte: Bayern-Challenge beginnt
·2026-06-11·2 MIN LESEN
